1ter Mai 2002

Der Maibaum

Sparkasse


Hier in Süchteln haben sie gestern den grössten Maibaum Europas gesetzt. Es ist dies kein Maibaum im herkömmlichen Sinne. Er wird unserem Städtchen womöglich noch über Monate erhalten bleiben und Zeugnis darüber ablegen, welch grossartige Dinge hier geschehen.
Man sieht diesen gigantischen Baum bereits, wenn man die Stadtgrenze Viersens verläßt, also quasi etwa ab Höhe Aldi Süd, Süchtelnerstrasse.
Hier teilt er sich den Horizont konkurierent mit dem Turm von St Clemens. Was des Einen der Glaube, ist des Anderen die Last.
Der Kran hat die Stimme der Kirche erhört, die da sagt: So kommet denn her, ihr die ihr mühselig und beladen seid.
Der Kran könnte, wenn er denn wollte, selbst der Kirche zu Leibe rücken, aber er tut es nicht, weil der zölibatäre Schock noch tief sitzt. Er rückt ihm allenthalben physisch näher, das heißt im sichtbaren Bereich. Es ist dies ein Leben in ständiger Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft. Raum für die eigenen Bedürfnisse kann so unmöglich entstehen.
Nun, der Kran meint es ernst. Das sieht man ihm an und so tut er denn alles in seiner Macht stehende, sein wahres Wesen zu unterdrücken.
Das macht die Sache zumindest für ihn sehr kompliziert. Er muß sich selbst belügen, weil die Kirche ihn wiederum zur absoluten Wahrheit zwingt, zum Eingeständnis seiner verwerflichen Schuld an der Welt.
Wie kann er die Kirche entmachten, ohne sie, sich selbst oder Andere zu töten? Sich selbst hat er ja bereits getötet, nur, weiß er es nicht.
Was bleibt, ist stumpfes Dienen, vermischt mit der ewigen Hoffnung auf die grosse Revolution.
Was bleibt, das sind die kleinen Stiche gegen alles Unbekannte und Fremde, dieser mißtrauisch-blöde Blick des Entsetzens, gegenüber dem, der plötzlich aufspringt und lacht, nur weil er gedacht hat, was er gerade denkt.
Was bleibt, das ist die Suche nach einem Feind im Kleinen, den man endlich hat und quälen kann, wies einem beliebt.
Man will ja selbst nicht Amok laufen. Dafür gibt es schließlich die Amokläufer vom laufenden Band.
Ich weiß, das hört die Welt nicht gern, aber ich muß es sagen. Wers nicht gewahr werden möchte, der kann ja abschalten. Oder?

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