23ter März 2002

Samstag, nach dem Frühstück
(drei Postkartenvorschläge)

Ich war zu Fuß unterwegs durch die Stadt. Zeitung kaufen, Frühstücken, lesen.
Ich lebe wie Gott in Frankreich. Warum ich das Unglück suche, ist mir nicht klar.
Gestern sind wohl nur 5 gestorben. Der Jüngste war von 66ig. Da habe ich, als Waschechter 59iger ja nochmal Glück gehabt.
Kommt ein Unglück allein? Selten.
Gekämpft, gehofft und doch verloren!, was für ein Spruch!
Ich köpfe mein Ei und fühle mich überlegen.
Der Sieg über den Hunger erfüllt mich mit Freuden! Bald darf ich stehn und gehn, wie du...

Heute stand, neben den Todesanzeigen, auch ein erster Artikel über den Abriss der Sparkasse im Lokalblatt. Wenn ich so träge wäre wie die, dann lohnte sich das Aufstehen nicht!
Ich tröste mich mit dem Gedanken, das man nicht Alles haben kann. Das kann nur die Unfehlbarkeit, und die ist enorm.

Zu holen gibts hier schon seit Anfang März nichts mehr - die alte Sparkasse in Süchteln am Lindenplatz ist seit Wochen leer.
Vorige Woche begannen die Vorarbeiten für den Abriss. Donnerstag rückte ein Spezialbagger an. Der macht keine halben Sachen.
Noch vor Ostern soll der Bau aus den frühen Siebzigern dem Erdboden gleich gemacht sein.
Bis Ende nächsten Jahres entsteht an gleicher Stelle ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Die Sparkasse investiert knapp fünf Millionen Euro in den Neubau.
Die Kunden werden bis zu dessen Fertigstellung in einem großen Beratungspavillon am Westring betreut.
(Rheinische Post, 23.03.02)



Sparkasse
Das Geschehen zieht mich ganz in seinen Bann. Experten sprechen hier oft von CHRONISCH, oder UNHEILBAR. Andere sagen wiederum CHARAKTER dazu.
Woher solltet ihr auch wissen, das ich den Niedergang des hiesigen Lindenplatzes zum zweiten mal erlebe?
Damals war ich fünf, trug Lederhosen und rote Westen. Mein Bruder und ich, wir waren BAU-GLEICH. Sein Wesen war automatisch das meine. Damals gab es noch keinen Kopierschutz.
Autonomie geriet zur Fiktion. Bestrebungen in diese Richtung, waren von vorneherein zum Scheitern verurteilt, so das es, letztendlich, beim Charakter blieb.
Habe im Regen gestanden
habe die Blätter gesehen
und wie sie von Bäumen fielen
Mich fröstelte. Ich schwieg.
seh Berge aus Schutt
Asche zu Asche!
Ziegel, rot wie Blut!
Selbst Geier seh ich nach dem Wahnsinn lechtzen!
Ach, könnt ich ihn nur sehen!



Sparkasse
Jetzt ist es wohl bald gelaufen. Zwei, drei Tage noch, dann gibts wieder "Weitblick" (zumindest von der Tönisvorsterstrasse aus gesehen).
Gedanken im Bus: Philosophen sind Menschen, die, krankhaft, das Leben suchen.
Krankheit Kultur.


Sparkasse
Fotos im Kasten, ohne zu hasten.
Wem zu Lasten?
Dem Bettelmann!
Der hat ja eh nix.
Pointenschwimmerei!
Oh Bild dieser Welt!
wie bestellt und nicht abgeholt...


Sparkasse
Schade, das die Sonne sich so gegen Viere verkrochen hat. Das macht den Himmel grau und nimmt dem "Material" oft seinen ganz spezifischen Charakter.
Die obige Fortografie von 18.30h stellt quasi nur da, erhebt also keinerlei Anspruch darauf, Kunst zu sein.
Die Fotos von heute morgen sind zufällig Glanz-Fotos geworden. Das schöne Wetter hat den Himmel blau gemacht, das die paar Wolken tanzen konnten, wies ihnen beliebte.
Wie schön!


Sparkasse
der Metrorapid bekommt sein Gesicht.

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