9ter April 2002

Sparkasse


Halb Eins. Das Wetter schlägt um. Ein gräulicher Schlier verdeckt mit einem Schlage die unsägliche Bläue des Himmels. Der Sonne wächst eine Aura. Ihr Licht wird fahl und matt.
Der Wind frischt von Süden her merklich auf. Mitunter fliegt ein Hut durch die Luft. Die frische Briese gerät zum Sturm. Es wird schwer, sich noch im Stuhl zu halten. Auf den Gesichtern der Anwesenden zeichnet sich leise verhaltene Panik ab. Noch will man nicht so recht daran glauben, was hier geschieht.
Bald bebt die Erde. Diesmal sinds nicht die Bagger, nein nein.
Die Grube erzittert in seichten Schwüngen, als schwebte man auf den Wellen einer seltenen Brandung.
DIE GRUBE, SIEH!
Da tut sich die Erde auf! Ein scheußliches Monster entschwindet der Hölle und reißt die verstümmelten Finger hoch in die Luft! Staub wirbelt auf.
Frau Hülsbusch, seit jeher auf Krücken unterwegs, gehen diese verlustig. Sie schnappt sich den erstbesten Halt, den Bauzaun.
Doch selbst der Zaun kann das rasende Monster nicht halten. Es springt auf die Strasse und erwürgt die beiden Metallmänner neben der Kirche.
Aus allen Türen kommen jetzt Menschen gelaufen und verirren sich im historischen Stadtkern.
Im Pfarrhaus wird schnell eine Messe beschlossen. Was kümmern jetzt Gelder.
Schnell springt der Pfarrer auf die Kanzel und singt das Lied:
OH NOT, OH DU AUFS WESEN REDUZIERST.
Die halbe Stadt hat sich in der Kirche versammelt. Minütlich werden es mehr, die Eingang durch den Notausgang finden, derweil das Monster fast verbissen am harthölzigen Haupteingang nagt.
Da geht jetzt ein Kind hin und öffnet das Portal. Das Monster, weil es vom Knabbern schon müde ist, schaut in die zitternde Menge, säuft kurz aus dem Weihwasserbecken und verendet.
Der Pfarrer sagt: DARAN WIR GLAUBEN IN EWIGKEIT.
Seine Ernte ist das Amen des Volkes.
Und nach der Messe noch Backfisch von Meyer. Paar watscheln auch zum Döner-Mann...
Es wird ja viel gedacht.




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