23ter APRIL 2002

Am Brunnen vor dem Tore

Sparkasse


Aus der Bildsammlung Klaus-Walter Bleischwitz / Kontakt:
Bleischwitz-Suechteln@web.de



Am Brunnen vor dem Tore

Abends, wenn vorbei ich kumme,
merk’ ich, wie ich heimlich summe
( nur vernehmbar meinem Ohre )
leis „Am Brunnen vor dem Tore...“

Steht zwar heut’ kein Lindenbaum
doch man träumt noch manchen Traum
drinnen an der schäum’gen Quelle,
an der alten Stammtischstelle.

Nun geschah es, daß ich mal
- die Geschichte ist fatal –
etwas mehr, als mir bekömmlich,
( allzu viel macht nämlich dämlich )

hab’ getrunken von der Quelle
nächtlich an der Stammtischstelle.
Wackre Männer saßen drinnen,
ließen Quell und Stunden rinnen.

Hab’ manch weise Red’ vernommen,
bin auch selbst zu Wort gekommen;
nur, ich weiß nicht mehr worüber –
und bald wurd’ mir’s Schweigen lieber.

Mußt’ mich endlich heimbewegen. –
Ohne Aufsehn zu erregen,
schwand ich aus der edlen Runde
( wie’s sich reimt! ) zu später Stunde.

Draußen blieb ich zögernd stehen,
mich noch einmal umzusehen.
Und im Schein des Bogenlichtes
rot in großen Lettern spricht es,

ja, es singt im weichen Chore
( nur vernehmbar meinem Ohre )
von dem Brunnen vor dem Tore –
von dem Brunnen vor dem Tore - - -.

Ach, ihr glaubt, daß es nun fände
irgendein romantisch’ Ende?
Leider rutscht mir die Geschichte
in noch weitere Gedichte:

Denn kaum lag ich auf dem Ohre,
kam es wunderbar mir vore,
daß mich wer – indem ich schliefe –
mild zum Brunn’ zurückeriefe.

Und ich ging – im Traum natürlich.
Auf dem Rücken trug ich schwerlich
einen Rucksack, wie’s geziemet
einem, der das Wandern mimet.

Kam ich hin mit müdem Schreiten,
wie aus lang durchlebten Weiten,
sah ich einen alten Bronnen
vor dem Tore in der Sonnen.

Ward mein Rücken müd’ und müder,
legt ich Stock und Ranzen nieder. –
Wie’s die Sänger sungen hatten,
träumt’ ich süß in Baumes Schatten.

Doch dann wurd’ mir so unsaglich
unbequem und unbehaglich.
Da, der Bronnen zeigte Leben,
und es kam – mir ward zum Beben –

aus dem Tor ’ne Straßenbahn
mit viel Gelb und Klingling ’ran.
Und ich saß doch auf der Schiene!
Oh, die Lektrisch machte Miene

mich auf meinem dicken Affen
jämmerlich dahinzuraffen.
Konnt’ noch grad vor ihren Tücken
mich samt Aff zur Seite drücken.

Töööh! Da zwingt mich neuer Schrecken,
meine Glieder hochzurecken.
Dunkle Dämpfe knallen Schüsse
aus dem Blech der Autobüsse,

die mich anzufallen drohen
mit dem stumpfen Maul, dem rohen.
Sind nicht zwei, nicht drei, nicht viere,
nein, ein ganzes Rudel Tiere. ---

Weg ist nun die Klingelingbahn,
doch ’ne Gegenbahn kommt an,
und da, aus der andern Straße
streckt die nickelkalte Nase

mißgelaunt und vornehm tuend,
grämlich vor ’nem Stoppschild ruhend,
ein Mercedes, nagelneu,
und sein Herr ist auch dabei.

Die Verwirrung ist unbändig,
mir ist bang und hundselendig.
Wie blutgierige Hunde kleffen,
macht’s Radau aus vielen Töffen.

Und ich ducke, spring behände
dahin, dorthin ins Gelände
vor den fiesen Ungeheuern. –
Wie sich meine Knie scheuern

an den Steinen, am Asphalte!
Peng! wenn ich nicht irre, knallte
eben was mit wem zusammen,
seh’s vor meinen Augen flammen.

Sternchen springen im Gehirne,
stöhnend faß ich nach der Stirne,
fühle dumpfe Schmerzen brummen,
in den Ohren murkst ein Summen.

Ich versuche, rund zu schauen,
mich mit Vorsicht aufzubauen ---
und erkenne – welch Beglücken!
welch ein sorgenfrei Entzücken!

daß ich fiel, wenn ich nicht irre,
mit der Decken warm’ Gewirre
aus dem Bette mit Getöse. –
Während ich die Glieder löse

von den unbequemen Planken,
kommen sacht schon Bußgedanken:
ja, man soll, will man gut pennen,
zeit’ger sich vom Brunnen trennen!

(Quelle: Süchtelner Heimatblätter, 1952)


Das ist ja ein Dingen! Habe gestern Abend folgende Mitteilung vom Hamburger Matthias, der sich zur Zeit in Dresden aufhält erhalten:

(ich grüsse auch)... Schorsch, dem ja mit seiner Sparkassendokumentation Journalismus pur gelungen ist. Ich melde mich auch über dieses Forum bester Schorsch, weil hier ohne Scheiß http://www.rikken.de als jugendgefährdend angegeben wird...

Diese Zeilen schrieb er mir aus dem Dresdener Haus des Buches. Hier ist www.rikken.de tabu. Von den grossen Lügen will da anscheinend keiner was wissen.
Ich verstehe das als Auszeichnung für besondere Leistungen auf dem Gebiet des Aussprechens unausgesprochener Wahrheiten. Verschweigen schadet enorm. Eigentlich haben nur die etwas damit zu tun, die etwas zu verschweigen haben. Die Klärung der WARUM-FRAGE steht natürlich noch aus.
Haider, Bush, Stoiber, le Pen und jetzt auch noch das! Wenn das so weiter geht, dann kanns mit der ersten offiziellen Bücherverbrennung nach 1945 ja nicht mehr weit hin sein.
Oben, ein Bild aus besseren Zeiten. Am Brunnen vor dem Tore, nicht vergleichbar mit dem heutigen Schmutzigen Löffel auf der Tönisvorsterstrasse. (Anno1950)
Dazwischen liegt heute, noch etwas still, NEW YORK, ein Thai-Imbis, wo früher der Metzger war, von dem man spricht, als hätte er sich im Fleischwolf darselbst zugrunde gerichtet. Hier war anscheinend schon etwas los, als ich noch gar nicht geboren war.

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