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Zwischenstation Berlin Rathenow



aus dem Bundesarchiv


Foto: Heinz Sack
Irgendwann, ich weiß es nicht mehr, kamen wir in Rathenow bei Berlin an. Unterkunft für uns war ein früherer Kindergarten. Völlig erschöpfte Menschen wurden dort untergebracht. Auch wir mussten uns in  dem "Gewimmel" zurechtfinden.
An die Versorgung kann ich mich nicht mehr erinnern.
Doch plötzlich für uns eine Erlösung. Mein Vater, der in der Zwischenzeit unsere Adresse erfahren hatte, holte uns dort ab. Weil er Eisenbahner war, sorgte er dafür, dass wir in Waggons verladen und nach Oberbechingen bei Ulm, gebracht wurden.
Man quartierte uns auf einem Bauernhof ins Altenteil. Ein Häuschen für uns. Unvorstellbar..... Schnell hatten wir uns mit den Leuten auf dem Hof angefreundet. Aber arbeiten war die Devise. Kühe melken, Ställe ausmisten, Feldarbeit, jeden Tag.
So bekamen wir wenigstens etwas zu essen.
Der Krieg war aus.
Die amerikanische  Besatzung hielt Einzug.
Wir hatten noch nie schwarze Menschen gesehen. Oh Schreck... oh Graus....
Die Frauen versteckten sich, vor lauter Angst, vergewaltigt zu werden. Aber es stellte sich heraus, dass es sehr anständige Soldaten waren. Sie waren besonders gut zu den Kindern.
Auch sie waren froh, dass der Krieg zu Ende war.
Weil Vater Kriminalbeamter bei der Reichsbahn war, hatte er Züge zu leiten, die zum Westen fuhren.
Durch Zufall, wie ein Wunder, traf er meine beiden jüngeren Brüder in Berlin auf einem Bahnsteig, die in Uniform des Internats Koffer schleppen mussten. Er hat sie sofort mit einem Seil an seinem Gürte festgebunden, damit si bei diesem Drucheinander zusammen blieben.
Bei Verwandten im Westen hat er erfahren, dass wir in Bayern in Oberbechingen waren. Mit den Jungens traf er bald dort ein. Die Freude war riesengroß. Nur der älteste Bruder, der Soldat war, blieb vorerst verschollen. Irgendwann war er auch bei uns. Hier lebten wir einige Zeit miteinander. Wie lange, weiß ich nicht mehr.
Bald war die Reise nach Kleve angesagt, denn dort stand unser Eigentum. Es war jahrelang vermietet. Der Mieter gab sich als Eigentümer aus. Er rief die Polizei, die uns auf die Straße setzten wollte. Zum Glück hatte Mutter das Köfferchen mit den Papieren immer in ihrer Obhut.
So konnten wir beweisen, dass es unser Haus war.
Nun begann die Zeit des Überlebens. Kleve war total zerstört.


Die Schwanenburg heute

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    Foto: Heinz Sack






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